Vereitelter Urlaub – Entschädigung

Ändert der Reiseveranstalter einseitig die gebuchte Leistung ab, dann kann dem Reisenden ein Entschädigungsanspruch zustehen.

  1. Die einseitige und kurzfristige Änderung des Hinfluges durch Streichung des Fluges, Austausch der Fluggesellschaft, Änderung des Abflug- und Zielflughafen durch den Reiseveranstalter, muss der Reisende nicht hinnehmen. Der Reisende kann nach § 651a Abs.5 BGB zurücktreten.
  2. Der Reiseveranstalter muss sich den Ausfalls der Fluggesellschaft im Fall der Insolvenz über § 278 BGB zurechnen lassen.
  3. Dem Reisenden steht eine Entschädigung von 50% des Reispreises nach § 651f Abs.2 BGB zu.
    (AG München, U. v. 13.06.2018 – 242 C 3982/18 [nicht rechtskräftig])

Dem AG München ist hinsichtlich des Grundes der Entscheidung zuzustimmen.

Bei der Höhe hat das Amtsgericht München die Auffassung des OLG Köln vom 19.07.2018 (16 U 31/17) sowie des Bundesgerichtshofes (U. v. 29.05.2018 – X ZR 94/17) unberücksichtigt gelassen.

Diese hatten die durch das LG Köln (U. v. 07.02.2017 – 4 O 124/16) vorgegebene Entschädigung von 73% des Reisepreises bestätigt.

Derzeit wird die Berufung geprüft.


Entschädigung bei vereitelter Kreuzfahrt – Anmerkung zu BGH X ZR 94/17

Schade. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat seine Chance nichts genutzt bzw. musste sie nicht nutzen.

Der BGH hat in seinem Urteil vom 29.05.2018 – X ZR 94/17 nicht klargestellt, dass die Vereitlung einer Reise durch den Reiseveranstalter zu einer Entschädigung von 100% des Reispreises nach § 651f Abs.2 BGB führt bzw. führen kann.

Zum Meinungsstand siehe bei Führich, Reiserecht, 7. Auflage 2015, § 11 Rd.64ff.

Seit Jahren kursiert die alte „Malediven-Entscheidung“ vom 2005 (BGH in RRa 2005, 57), auf die sich die Reiseveranstalter gern berufen, eine Vereitelung führt lediglich zu einer Entschädigung von 50% des Reisepreises.

Im Ausgangsfall des BGH (s.o.) wurde eine pauschale Kreuzfahrtreise gebucht.

Drei Tage vor Reiseantritt wurde den Kunden mitgeteilt, es fehle an einer Buchung auf dem Schiff.
Stattdessen unternahmen die Kunden eine andere Reise, die zu Mehrkosten führte.

Das Landgericht Köln verurteilte den Reiseveranstalter zu einer Zahlung von ca. 73% des Reise Preises als Entschädigung (§ 651f Abs.2 BGB). Das OLG Köln sprach den Kunden (zusätzlich) noch die Mehrkosten für die Ersatzreise zu, beließ es ansonsten bei der Entscheidung des Landgerichts.

Beide Parteien gingen in die vom OLG zugelassene Revision zum BGH (OLG Köln in RRa 2017, 305), der Reisveranstalter im Wege der Anschlussrevision.

Der BGH hob die Entscheidung des OLG teilweise auf und stellte die Entscheidung des LG Köln wieder her.

Danach kann nunmehr der Reisende, dessen Reise kurzfristig abgesagt wird und dessen Reise hochwertig ist einen Betrag von mindestens 73% als Entschädigung von fordern, wenn die Reise nicht durchgeführt wird aus einem Grund, der im Erfüllungsbereich des Reisveranstalters liegt.

Der BGH betont dabei, dass es nach § 651f BGB nicht darum ginge, dem Kunden eine Entschädigung in Form der „zweiten Rückerstattung“ zu erbringen, wenn die Reise nicht durchgeführt würde. Anders bei dem Kunden, der vor Ort mit starken Mängeln konfrontiert wird, die zu einer erheblichen Belastung führen. Dann könnten auch 100% Entschädigung angemessen sein.

Nach Auffassung des BGH ist für die Höhe auch maßgeblich, wie der Reisende die vorgesehen Reisezeit dann tatsächlich verbracht hat.

Ich meine und dem widerspricht die Entscheidung (bisher ist nur der Pressebericht veröffentlicht) nicht, der Kunde der gar nicht mehr reisen kann, weil z.B. sich nicht mehr findet, muss mit 100% entschädigt werden. Das hat der BGH hier offen gelassen.

Warum der BGH die Erstattung der Mehrkosten „kassiert“ hat, bleibt noch etwas unklar.

Offensichtlich haben sich die Kläger dabei auch auf § 651f Abs.2 BGB und nicht auf § 651c Abs.2 BGB berufen.

Ich stehe nach wie vor zu dem Gedanken, dass der Reiseveranstalter bei Verhinderung der Reise, eine 100%ige Entschädigung leisten muss, weil der Kunde eben nicht das bekommt, was er vereinbart hat und zwar vollständig nicht. Warum weniger im Sinn des § 651f Abs.2 BGB „angemessen“ sein soll, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen.


DAD Deutscher Adressdienst GmbH erklärt erneut den Verzicht

Die Firma DAD Deutscher Adressdienst Gmbh mit Sitz in Hamburg ist weiterhin auf Kundenfang in Europa unterwegs.

In Slowenien und den Niederlanden etc. werden diese Formulare der Firma DAD unter der Bezeichnung EBN European Business Number zu hunderten, wenn nicht sogar zu tausenden verschickt in Europa.

Das englisch sprachig aufgemachte Formular wirkt dabei „amtlich“. Der potentielle Kunde wird gebeten, seine bereits eingetragene Daten zu überprüfen und Angaben zu verbessern.

Dabei wird Bezug genommen auf die Umsatzsteuer Nummer und damit beim Empfänger der Eindruck verstärkt bzw. hervorgerufen, hier handele es sich um ein Dokument eines europäischen Registers (Departement Slovak Republic, Netherlands Department).

Tatsächlich ist es aber der Auftakt für einen aus meiner Sicht vollkommen wertlosten Eintrag in einem privat geführtem Internetverzeichnis der Firma DAD aus Hamburg.

Für diesen Eintrag möchte dann DAD auch für die nächsten drei Jahre pro Jahr 890,00 Euro bezahlt bekommen. Das steht wirklich aber wirklich nur winzig im sog. „Kleingedruckten“.

Unternehmer die dann diese Rechnung bekommen und sich fragend an DAD wenden, bekommen dann eine kurze und knappe Ansage, wieso und weshalb das alles rechtens ist und man gefälligst zahlen sollte.

Die bisher von mir vertreten Mandanten gegen DAD / EBN zahlen (bisher) nichts; zumindest nicht an DAD.

Man kann und sollte sich gegen dieses Geschäftsgebaren zur Wehr setzen. Die Gefahr besteht darin, dass solch vertraglichen Ansprüche erst in drei Jahren verjähren. Der betroffene Unternehmer muss also zukünftig damit rechnen, von DAD / EBN gerichtlich in Anspruch genommen werden. Insofern sollte man juristisch vorbeugend tätig werden (Stichwort: negative Feststellungsklage).

Auch wenn DAD vertreten durch Frau Daniela Kunst es derzeit vermeidet, ihr Geschäftsmodell mal aktuell durch das Amtsgericht bzw. Landgericht Hamburg überpüfen zu lassen.

Seitens DAD / EBN ist man ja der Ansicht

„… besteht für eine Stornierung des Vertrages kein Grund, sondern wir könnten von ihrem Mandanten die Einhaltung seiner vertraglichen Pflichten in jeder Hinsicht erwarten. …“

Nun nicht mehr!


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